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Nov 4, 2026

Kühlanlagen im Visier: Cyberangriffe lassen Lebensmittel verderben und rücken Europas Sicherheitslücken ins Zentrum

Manipulierte Kühlanlagen haben in Deutschland und mehreren europäischen Ländern große Mengen Lebensmittel unbrauchbar gemacht. Während Behörden mögliche koordinierte Angriffe prüfen, verweisen Fachleute zugleich auf veraltete und unzureichend geschützte Technik.

Cyberangriffe auf vernetzte Kühlanlagen haben in mehreren deutschen Supermärkten und Betrieben Lebensmittel im großen Umfang verderben lassen. Betroffen waren unter anderem Märkte und Unternehmen in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Bremen, dem Münsterland und der Westpfalz. In Reisbach sollen Kühlanlagen sogar auf bis zu 50 Grad aufgeheizt worden sein; in anderen Fällen wurde die Abtaufunktion dauerhaft aktiviert. „Betroffene Waren wurden umgehend aus dem Verkauf genommen“, erklärte ein Edeka-Sprecher.

Die Schäden reichen von einzelnen entsorgten Warenbeständen bis zu hohen fünfstelligen oder sogar sechsstelligen Beträgen. Ein Supermarkt im niedersächsischen Lilienthal musste nach Angaben seines Inhabers Ware im Wert von mehr als 360.000 Euro wegwerfen. In einer Metzgerei in der Oberpfalz stiegen die Temperaturen laut Polizei zeitweise auf bis zu 150 Grad; der Schaden lag dort im fünfstelligen Bereich.

Behörden prüfen, ob die Vorfälle in Deutschland mit Attacken in mehreren europäischen Ländern zusammenhängen. Nach Angaben der Polizei und europäischer Stellen wurden Kühlsysteme unter anderem in Belgien, Schweden, Frankreich, Irland und den Niederlanden manipuliert. EU-Agrarkommissar Christophe Hansen sprach von einem möglichen gezielten Versuch, die Lebensmittelversorgung zu stören und das Vertrauen der Verbraucher zu schwächen. Eine akute Gefährdung der Versorgung bestehe derzeit jedoch nicht.

Neben der Frage nach den Tätern rückt damit die technische Verwundbarkeit in den Mittelpunkt. Fachberichte führen die Angriffe auf „alte und ungesicherte Technik“ zurück und stellen zugleich die Frage, warum Kühlschränke überhaupt direkt mit dem Internet verbunden sind. Der Hersteller Danfoss erklärte zudem, viele betroffene Anlagen seien veraltet und würden keine Sicherheits- und Softwareupdates mehr erhalten.

Damit stehen zwei Deutungen nebeneinander: Die Ermittler untersuchen eine möglicherweise koordinierte Kampagne, während Sicherheitsfachleute in den veralteten Systemen eine strukturelle Schwachstelle sehen. Wer hinter den Angriffen steckt und wie viele Betriebe tatsächlich betroffen sind, ist weiterhin offen.