Histoire
1 nov. 2026

Warnstreiks verschärfen den Tarifstreit: IG Metall fordert fünf Prozent, Arbeitgeber bremsen

Mit ersten Warnstreiks erhöht die IG Metall den Druck in der Metall- und Elektroindustrie. Die Gewerkschaft pocht auf mehr Geld und Beschäftigungssicherung, während die Arbeitgeber wegen Krise und Kosten nur begrenzte Erhöhungen anbieten.

In der Metall- und Elektroindustrie ist die Friedenspflicht abgelaufen – und damit haben bundesweit erste Warnstreiks begonnen. In Andernach, München und Bayern legten Beschäftigte in der Nacht zeitweise die Arbeit nieder; in der kommenden Woche sollen die Aktionen ausgeweitet werden. Betroffen sind rund 3,7 Millionen Beschäftigte.

Die IG Metall fordert für eine Laufzeit von zwölf Monaten fünf Prozent mehr Geld. Zusätzlich verlangt sie eine soziale Komponente für niedrigere Entgeltgruppen, eine Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen sowie Gespräche über die Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten. Bezirksleiter Thorsten Gröger erklärte, die Arbeitgeber hätten versucht, die Beschäftigten mit „Mini-Prozenten abzuspeisen“.

Das Arbeitgeberangebot fällt deutlich niedriger aus: Vorgesehen sind eine Einmalzahlung im kommenden Jahr und eine dauerhafte Erhöhung um 1,3 Prozent ab Juli 2028. Die Arbeitgeber verweisen auf die schwierige wirtschaftliche Lage, hohe Kosten und die anhaltende Strukturkrise der Industrie. Der Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie bezeichnete die Warnstreiks als „völlig unangebracht“ und sprach von „althergebrachten Ritualen und Erpressung durch Blockaden“.

Die Gewerkschaft weist diese Argumentation zurück. Ihr Vorstandsmitglied André Arenz nannte das Angebot ein „Minus-Angebot mit Reallohnverlusten“ und betonte: „Verzicht rettet keinen Beschäftigten, keinen Standort und erst recht nicht die Konjunktur.“ Auch IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Köhlinger erklärte, die Beschäftigten würden von den Arbeitgebern als „reine Kostenfaktoren“ betrachtet.

Beide Seiten verweisen damit auf die Zukunft der Industrie – ziehen daraus aber gegensätzliche Konsequenzen: Die Gewerkschaft setzt auf Kaufkraft und Druck, die Arbeitgeber auf Kostenbegrenzung und eine schrittweise Lösung.