История
3 нояб. 2026 г.
CDU-Basis sieht Merz ohne Strategie und zu weit von der Parteirealität entfernt
Nach einem Treffen mit Friedrich Merz beschreibt Désirée Schrade tiefe Enttäuschung in der CDU-Basis, fehlende Antworten auf den AfD-Erfolg und wachsende Austritte. Der Historiker Andreas Rödder sieht die Krise zugleich als strukturelles Problem der Union.
Désirée Schrade, CDU-Kreisvorsitzende aus Frankfurt (Oder), schildert die Stimmung nach einem fast dreistündigen Treffen mit Friedrich Merz als ernüchtert. Ihre „Lebenswirklichkeit an der Basis“ sei eine völlig andere als das Bild, das aus der Parteizentrale vermittelt werde.1 Besonders kritisch sei die Frage gewesen, wie die Union verlorene Wähler zurückgewinnen wolle. Eine konkrete Strategie habe Merz nicht präsentiert. „Nur zu sagen, wir können das alles selbst, hilft einfach nicht“, sagte Schrade.2
Dabei beschreibt sie einen deutlichen Gegensatz zwischen Bundespartei und Kommunalpolitik. In Frankfurt (Oder) könnten CDU-Kandidaten teilweise nur noch erfolgreich antreten, wenn sie sich von der Bundespartei abgrenzten. Merz habe darauf „wirklich befremdlich“ und beinahe spöttisch reagiert. Er erwarte, dass die Kandidaten „voll und ganz für die CDU“ einträten.1
Auch bei langjährigen Unterstützern wachse die Enttäuschung. Schrade berichtet von Kritik an der Kommunikation, dem Kurswechsel bei der Schuldenbremse und dem Eindruck, der Kontakt zur Basis sei verloren gegangen. In ihrem Kreisverband würden Austritte überwiegend mit der Bundespolitik begründet. Zudem beklagt sie fehlende Aufmerksamkeit bei einem Besuch des Kanzlers in Frankfurt (Oder). Ihr sei es nicht um eine Teilnahme an dem Termin gegangen, sondern um eine kurze Geste: „Ich sehe euch.“2
Rödder ordnet die Konflikte jedoch nicht allein als Merz’ persönliches Problem ein. Die Union befinde sich insgesamt in einer defensiven Lage und könne keine „positive, optimistische, offensive Reformagenda“ vermitteln.2 Damit treffen zwei Perspektiven aufeinander: Schrade fordert mehr Nähe, Klarheit und konkrete Antworten von der Führung; Rödder sieht zusätzlich ein strategisches Problem der gesamten Partei.